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SILENT NIGHTS 2026​​

Stummfilmtage Saar

Die Stummfilm-Ära war ein Goldenes Zeitalter der Comedy. Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd, Stan Laurel und Oliver Hardy verdanken die Filmfans Meisterwerke „sui generis“. Der vordergründige Klamauk der ersten Slapstick-Jahre wandelt sich zu einer Kunstform, die bei Chaplin sogar eine sozialkritische Ebene transportiert. Mit genauem Blick auf den Kairos, den rechten Moment, inszenierten die Meister der Comedy ihre Überraschungen und Effekte, koordinierten und adaptierten ihre Bewegung - ob schlacksig oder akrobatisch – zur Geschwindigkeit der Projektion für den Kinosaal. Ihre Filme laufen sonntags morgens, in Matinéen jeweils um 11 Uhr.

Karl Ludwig Kreutz

Maurice Clement

Vier professionelle Pianisten aus Grossbritannien, Deutschland und Luxembourg werden zur zweiten Ausgabe des Festivals anreisen: Karl Ludwig Kreutz, Professor für Improvisation an der Hochschule für Musik Saar, Maurice Clement, Titulaire der Philharmonie du Luxembourg und Professor in Luxembourg, Joachim Fontaine, langjähriger Dozent der Hochschule für Musik Saar und Gründer des Festivals, und – last but not least – Donald MacKenzie, einer der bekanntesten Kino-Musiker Englands, Organist an der legendären Compton-Orgel des Odeon am Leicester Square, im Herzen Londons. 

Donald MacKenzie

Joachim Fontaine

Acht Filme an vier Wochenenden werden sie live begleiten, allesamt Klassiker: sonntags morgens je einen Klassiker des Comedy-Genres. Samstags abends je ein Klassiker des Horror-Genres, des Abenteuerfilms, des Psychothrillers und des erotischen Films. Besonders stolz sind wir auf die – erst jüngst auf der Berlinale vorgestellten, und für Saarbrücken nochmals justierten – Erstaufführungen (!) des Klassikers „Geheimnisse einer Seele“ von Gerog W. Pabst, in Zusammenarbeit mit der weltweit renommierten Friedrich-Murnau-Stiftung in Wiesbaden, zu der der Restaurator Luciano Palumbo eigens anreisen wird.

Samstag, 5. September, 19 Uhr

Die Büchse der Pandora
Georg Wilhelm Pabst Deutschland 1929
Klavierbegleitung: Maurice Clement

This movie is one of the great treasures of the cinema, and Louise Brooks was one of the most talented and most fascinating actresses to ever appear in movies, on either side of the Atlantic.

Eine Verfilmung von Wedekinds Lulu-Stoff. Im Zentrum die femme fatale, Projektion pervertierter Männerfantasien, die alle ins Verderben reißt, die ihr zu nahe kommen, inklusive der ersten erotischen Beziehung zwischen Frauen, die je den Weg auf die Leinwand fand. Cineasten lieben den Film aber wegen der Hauptdarstellerin, die diesen Film zu „one of the most sexually charged films ever made“ machen. Wie? Nicht durch plakative Reize, nicht durch over-acting: Louise Brooks spielt natürlich; mal distanziert, mal magnetisch wirkt ihre Naivität. Lotte Eisner bescheinigt ihr, dass sich nur in ihrem Blick, ihrem Gesicht alle Sehnsüchte und Fantasien spiegeln, die Menschen anziehen und befremden zugleich, gleich einem heidnischen Idol, das alles um es herum vergessen lässt. Meisterregisseur Wilhelm Pabst bettet Brooks’ Meisterwerk in den perfekten Mix aus Dramaturgie, Rhythmus und Atmosphäre. 

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Sonntag, 6. September, 11 Uhr

Girl Shy
Harold Lloyd USA 1924
Klavierbegleitung: Joachim Fontaine

So fast, so many thrills, that the audience is going to stand up and howl …Lloyds name should be enough to pack your house …

Harold Lloyd gibt den braven Schneidergeselle. Ein Beau zwar, der junge Damen entzückt, wäre er nur nicht girl shy, mädchenscheu. Unerfahren stottert er, „erobert“ verführerische femmes fatales und flapper girls nur in seiner Fantasie. Die Realität kommt natürlich ganz anders, mündet in eine der wildesten Jagden der Kinogeschichte, die keinerlei (!) Fortbewegungsmittel auslässt: Ziel dieser mad chase ist der Traualtar. 

Lloyds halsbrecherische Stunts und seine atemberaubende Kameraführung wurden zum Vorbild für die Wagenrennen in Ben Hur. Girl Shy ist der erste Langfilm, den Harold Lloyd als independent 1924 im eigenen Studio produzierte. Eine Hommage an den dritten legendären Komiker der Silent Era. 

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zurückliegende Veranstaltungen

Stummfilmtage Saar

Sonntag, 30. August, 11 Uhr

Gold Rush
Charles Chaplin USA 1925
Klavierbegleitung: Maurice Clement

An in and out comedy, and the greatest of all time …

Mit diesem Film möchte ich in Erinnerung bleiben (Chaplin)

Der Film, der den Weltruhm seines Regisseurs und Hauptdarstellers Chaplin begründen sollte. Zusammen mit Keatons Der General gilt Gold Rush als Ausnahmewerk. Allein die epische Länge von Chaplins Meisterwerk muss dem Zuschauer mehr bieten als die Reihung von Gags und Slapstick-Einlagen. Chaplin spielt den Goldsucher und Glücksritter. Zwischen Traum und Realität zeigt der Film die Gnadenlosigkeit und sozialen Abgründe einer von Materialismus und Habgier getriebenen Welt. Bei aller Tollpatschigkeit findet er am Ende dieser Meisterkomödie seine Liebe und sein persönliches Glück. Schon zu Lebzeiten brach der Film alle bis dahin erreichten Rekorde. Zur Film-Ikone wurde der „Brötchentanz“, den Chaplin im Traum seinen Gästen vorführt. Mit jeweils einer Gabel in zwei Brötchen imitiert er die Beine eines Tänzers. 1925 hatte die hier gezeigte Originalfassung Premiere, die Chaplin selbst  mehrfach neu veröffentlicht hat, 1942 auch in einer Tonfilm-Fassung.

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Samstag, 29. August, 19 Uhr

Geheimnisse einer Seele
Georg Wilhelm Pabst Deutschland 1926
Klavierbegleitung: Joachim Fontaine
Erstaufführung - Kooperation
Einführungsvortrag
Luciano Palumbo (Restaurator)
Friedrich-Murnau-Stiftung

Dieser Film trifft die großen Fragen unserer Zeit.

Georg Wilhelm Pabst war neben Fritz Lang und Friedrich W. Murnau der dritte große Name im Dreigestirn deutschsprachiger Meister-Regisseure, die in den Jahren der Weimarer Republik international neue Maßstäbe setzten. Wir zeigen in der jüngsten aufwändigen Rekonstruktion der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung eines seiner Meisterwerke. Pabst – inspiriert durch die damals noch junge psychologische Forschung und die Schriften Sigmund Freuds – thematisiert die Psycho-Analyse, die er dramaturgisch virtuos umsetzt. Das Happy End beschert der Psychiater. Den Heilungsprozess des Protagonisten, den Albträume und Ängste aus der Bahn werfen, inszeniert Pabst cineastisch raffiniert als Wechselspiel von Wirklichkeit, der Psycho-Analyse, und Traumsequenzen, die – in starker expressionistischer Bildersprache – seine Erinnerungen und längst verdrängten Erlebnisse unmittelbar miterleben lassen. 

„Nein, hier wird nicht graue Theorie gelehrt, hier erleben wir in einem dramatisch starken und durchweg menschlich leichtest verständlichen Seelenkonflikt, was uns allen naheliegt. Und begreifen wir mit einem Schlage an diesem geschickt aus dem Leben gegriffenen Exempel, was das ist: 'Psycho-Analyse'!"

Wir sind froh und auch ein wenig stolz, dass die Murnau-Stiftung, weltweit anerkannt für ihre Neu- und Wiederentdeckungen, deren technische Qualität herausragend sind, uns erlaubt, diesen Film zu zeigen. Der Chefrestaurator Luciano Palumbo wird eigens anreisen und eine Einführung geben. Zuvor lief bisher nur eine Aufführung in der Berlinale 2026, die für die Saarbrücker Erstaufführung nochmals überarbeitet wurde. Also ein echter Kinoabend für Entdecker und Pioniere. Joachim Fontaine hat die Filmmusik aus originalen Quellen der 1920er Jahre rekonstruiert. 

Quelle: DFF-Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt

Sonntag, 23. August, 11 Uhr

Comedy
Sherlock Jr. – Easy Street – Do Detectives think
Klavierbegleitung: Donald MacKenzie

I escaped for only one thing, to kill the judge.

Buster Keaton, Charlie Chaplin, Laurel & Hardy: wer diese Namen kennt und sie in der Welt der Ganoven und Gangster erlebt, der weiß, dass diese drei Comedies unzählige Variationen zu bieten haben, damit bei aller Tollpatschigkeit das Gute dann doch über das Böse siegt.

Für Buster Keaton bietet der Job als Filmvorführer Gelegenheit, sich in der Traumwelt des Kinos und des Films als Meisterdetektiv Sherlock Jr. zu beweisen. Keatons kürzester Langfilm – von einer knappen Stunde Dauer – gilt wegen seiner einfallsreichen cineastischen Effekte und der Präzision ihrer Umsetzung als Meilenstein. Er gipfelt in einer der atemberaubendsten Stunt-Sequenzen, in der Keaton auf dem Lenkers eines Motorrads über Stock und Stein jagt … natürlich mit Happy End, auch nachdem er wieder aufgewacht ist und seinen Nebenbuhler entlarvt.

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Sherlock Jr. Quelle: DFF-Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt

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Easy Street

Der Titel Easy Street, entstanden 1917, ist eine Hommage an Chaplins eigene Herkunft, der Londoner East Street, in der er selbst einst als Kind Armut, Hunger, Gewalt, Drogen erlebt hatte, Themen, die ihn immer wieder beschäftigen werden. In dieser „exquisiten Kurzkomödie“ aber wandeln sich diese Erinnerung zum Triumph, Saulus wird zum Paulus, der Tramp Charlie zum Cop, der sich einiges einfallen lassen muss, um 2-Meter-Männer und Gangs in Schach zu halten, unter anderm das Gas einer Straßenlaterne als Tranquilizer zu nutzen. Easy Street war der krönende Abschluss seiner frühen 14 frühen Kurzfilme für die Mutual Studios.

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Do Detectives Think?

Ausgerechnet Stan Laurel und Oliver Hardy als Bodyguards eines Richters, dem ein von ihm verurteilter Sträfling nach dem Leben trachtet. Schon ihr nächtlicher Gang zum Haus des Richters wird für Laurel & Hardy – in Do Detectives Think, einem der ersten Filme, in dem sie als Duo auftreten – zum Slapstick-Parcours par excellence. Einige Gags, auch die virtuosen Variationen, mit denen sie ihre Hüte – Melonen – verwechseln, sollten zu Klassikern des Film-Comedy-Repertoires werden. 

I escaped for only one thing, to kill the judge

Samstag, 22. August, 19 Uhr

The Black Pirate
Douglas Fairbanks USA 1926
Klavierbegleitung: Donald MacKenzie

Douglas Fairbanks – „King of Hollywood“ – und einer der ersten Superstars des Films, glänzt in einem Piratenabenteuer: um seine Geliebte aus den Fängen einer Piratenmannschaft zu retten, wird der Edelmann selbst zum Freibeuter. In The Black Pirate, der bis dahin teuersten Produktion und seinem zugleich am sorgfältigsten vorbereiteten Film (ein Jahr ließ Fairbanks sich allein für das Experimentieren mit Farb-Effekten Zeit) bot er seinem Publikum alles, was die Welt von Schatzinseln und Piraten zu bieten hat.

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Quelle: DFF-Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt

Im tristen Alltag der 1920er Jahre gönnte Fairbanks mit seiner Heldenfigur dem Publikum ein Stückchen Traumwelt: vom energiegeladenen jugendlichen Helden, von draufgängerischem Optimismus, inklusive vergrabenem Schatz, explodierenden Schiffe, Liebesromanze und sogar einer Unterwasserszene, die zu Ikonen der Filmkunst wurden, so wie auch der atemberaubende Stunt, in dem Fairbanks – nur mit Dolch gewappnet – das Segel hinuntergleitet. Generationen von Filmschaffenden sollten aus diesem Klassiker the black pirate zitieren – bis hin zu Blockbustern wie Pirates of the Caribbean. 

Sonntag, 16. August, 11 Uhr

Der General
Buster Keaton USA 1926
Klavierbegleitung: Joachim Fontaine

USA 1926. Regie: Buster Keaton, Clyde Bruckman, Darsteller: Buster Keaton, Marion Mack, Charles Smith. 83 Min.

Johnnie Gray (Buster Keaton) hat zwei große Leidenschaften: eine Lokomotive, die den Namen „The General“ trägt, und die reizende Annabelle Lee. Als der amerikanische Bürgerkrieg ausbricht, möchte er Annabelle seinen Mut beweisen und zieht los, um sich als einer der ersten als Freiwilliger bei der Armee der Konföderierten zu melden. Allerdings ist man dort der Meinung, dass ein ausgebildeter Lokführer an anderer Stelle von größerem Wert sei. Den wahren Grund für die Absage erfährt Johnnie nicht, stattdessen steht er vor Annabelle wie ein Feigling da. Kurz darauf stehlen Spione der Nordstaatler auch noch seine Lok – mit Annabelle darin! Eine rasante Verfolgungsjagd folgt über das amerikanische Schienennetz, an deren Ende der schmächtige Johnnie Gray am Rock River einen entscheidenden Beitrag zum Sieg der Südstaatler leistet und für seine Mühen letztendlich belohnt wird. (filmphilharmonie.de)

THE GENERAL zeigt Buster Keaton auf der Höhe seines Könnens: als vollkommenen Komiker und vollkommenen Regisseur. Ironisch kommentiert er hier die authentische Geschichte eines Eisenbahnraubes aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs und macht sich über den Militarismus lustig. Tempowechsel, Bildwitz und beeindruckende Schauwerte verleihen dabei der formal strengen, geradezu klassizistischen Komposition spielerische Leichtigkeit und Anmut.“ (Philipp Stiasny)

Quelle: DFF-Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt

„Muss man ein Meisterwerk breit kommentieren? Laufen Sie ganz schnell, um es sich anzusehen.“ (Georges Sadoul) The General entstand auf dem Höhepunkt von Buster Keatons Ruhm als Regisseur und Darsteller und gilt nicht nur als eine der teuersten Komödien der Stummfilm-Zeit, sondern als Meilenstein der Filmgeschichte. Eine Vielzahl von Cineasten und Filmwissenschaftlern bescheinigten ihm, „einmalig und vielleicht perfekt“ zu sein. Seit den 1970er Jahren firmiert The General bei diversen Umfragen unter Filmkritikern und -schaffenden regelmäßig unter den besten Filmen der Filmgeschichte. Seine Bedeutung wird auch dadurch unterstrichen, dass er 1989 unter den ersten Filmen war, die in das National Film Registry aufgenommen wurden. 

Samstag, 15. August, 19 Uhr

Phantom of the Opera
Lon Chaney USA 1925
Klavierbegleitung: Karl Ludwig Kreutz

Tief in den Katakomben der Pariser Oper lebt der irre Komponist Erik (Lon Chaney), der sein entstelltes Gesicht mit einer Maske verhüllt. Die neuen Direktoren glauben jedoch nicht an die Existenz dieses mysteriösen Phantoms, bis sie eines Tages einen Drohbrief des wahnsinnigen Musikers in den Händen halten ...

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Quelle: DFF-Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt

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